Bluthochdruck | Ganzheitsmedizinische Leitlinie | Teil 2/2

Ein Beitrag von wikiSana, dem digitalen Gesundheitszuhause der QS24 Familie

Bluthochdruck tut oft nicht weh. Gerade darin liegt seine Tücke. Viele Menschen fühlen sich lange gesund, obwohl erhöhte Werte bereits Gefässe, Herz, Nieren und Gehirn belasten können. Im Gespräch bei wikiSana betrachten Prof. Dr. med. dent. Ralf Rössler, Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas Pfützner, Dr. med. Simone Fritschi und Prof. Dr. med. Jörg Spitz das Thema deshalb nicht als isolierte Zahl auf dem Messgerät. Sie fragen weiter: Was benötigt der Körper? Wo liegt eine Fehlregulation vor? Und welche Rolle spielen Entzündungen, Stoffwechsel, Stress, Darm und Mundgesundheit?

Dieser Artikel gibt Ihnen einen ersten Einblick in das Thema.
Wenn Sie die vollständige Sendung mit allen Hintergründen, Expertenaussagen und Empfehlungen sehen möchten, finden Sie sie im wikiSana-Portal.

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Inhaltsverzeichnis

Vier Perspektiven auf eine stille Erkrankung

Warum sollte Bluthochdruck ernst genommen werden, auch wenn keine Beschwerden auftreten?

Weil Bluthochdruck häufig lange unbemerkt bleibt. Prof. Andreas Pfützner betont, dass gerade diese Beschwerdefreiheit gefährlich sein kann. Ein hoher Blutdruck ist nicht einfach ein kleiner Ausrutscher, sondern ein ernst zu nehmendes Signal. Erst wenn Symptome wie Druck im Kopf, innere Unruhe oder mangelnde Entspannungsfähigkeit auftreten, kann die Belastung bereits weiter fortgeschritten sein.

Der Blutdruck schwankt selbstverständlich. Aufregung, Bewegung oder eine stressige Situation können kurzfristig höhere Werte auslösen. Entscheidend ist, ob das System anschliessend wieder in seine Regulation zurückfindet. Bleibt die Belastung dauerhaft bestehen, kann aus einer sinnvollen Reaktion eine chronische Fehlsteuerung werden.

Ist hoher Blutdruck immer die eigentliche Krankheit?

Prof. Jörg Spitz: Nein. Blutdruck ist zunächst auch ein notwendiger Druck, damit das Blut die Organe und das Gewebe erreicht. Werden Gefässe starrer oder enger, kann der Körper den Druck erhöhen, um die Durchblutung aufrechtzuerhalten. In diesem Verständnis ist der erhöhte Wert möglicherweise nicht die primäre Störung, sondern ein Hinweis auf eine tiefer liegende Veränderung.

Hier beginnt die entscheidende Frage: Handelt es sich um einen Bedarfsblutdruck, weil die Versorgung in der Peripherie erschwert ist? Oder entsteht Druck durch eine Fehlregulation, die der Körper gar nicht benötigt? Diese Unterscheidung prägt den ganzheitlichen Blick der Runde.

Stress, Entzündung und Stoffwechsel als mögliche Zusammenhänge

Welche Rolle spielt Stress bei erhöhtem Blutdruck?

Dr. Simone Fritschi sagt dazu: Stress gehört zu den ersten Themen ihrer kardiologischen und ganzheitlichen Sprechstunde. Beruflicher Druck, Konflikte im privaten Umfeld, belastende Erfahrungen und existenzielle Ängste können das Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft halten. Der Körper bleibt im Sympathikotonus, also im Zustand erhöhter Aktivierung.

Zur Einschätzung nutzt sie unter anderem die Herzfrequenzvariabilität. Diese Messung erfasst die Unterschiede zwischen den einzelnen Herzschlägen und kann Hinweise darauf geben, wie gut der Organismus zwischen Anspann

ung und Erholung wechseln kann. Ergänzend wird beobachtet, wie sich das System unter einer geführten Atemübung verändert.

Dr. Simone Fritschi spricht in der Gesprächsrunde vor dunkelblauem Vorhang
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Was bedeutet das für Sie? Ein erhöhter Blutdruck darf weder vorschnell ausschliesslich psychisch erklärt noch vom seelischen und sozialen Umfeld abgetrennt werden. Stress ist ein möglicher Baustein in einem grösseren Bild. Die nächste Frage führt direkt in dieses Bild hinein: Gibt es im Körper Zeichen einer stillen Entzündung?

Was wird bei einer ursachenorientierten Abklärung zusätzlich betrachtet?

Neben der Blutdruckmessung interessieren sie Entzündungszeichen und oxidativer Stress. Genannt werden unter anderem hochsensitives CRP und TNF Alpha als Laborparameter. Auch das Darmmikrobiom kann in diesem Ansatz berücksichtigt werden: Wie vielfältig ist es? Gibt es Verschiebungen bei bestimmten Bakteriengruppen? Und gibt es Hinweise auf eine Entzündung im Darm?

Prof. Pfützner und Prof. Spitz stellen zudem den Zusammenhang zwischen viszeralem Fettgewebe, Stoffwechsel und Blutdruck heraus. Bauchfett sei nicht bloss ein Energiespeicher, sondern hormonell aktiv. Im Gespräch wird erläutert, dass daraus Signale entstehen können, die auch die Blutdruckregulation beeinflussen. Gewichtsreduktion, Ernährung und die Behandlung einer Insulinresistenz gehören für sie deshalb in die Gesamtbetrachtung.

Diese Überlegungen ersetzen keine individuelle Diagnose. Sie zeigen jedoch, warum eine reine Konzentration auf einen einzelnen Zahlenwert zu kurz greifen kann. Hinter dem Symptom können Ernährung, Entzündungsprozesse, Durchblutung, Stoffwechsel und Lebensstil miteinander verwoben sein.

Darm, Zähne und Gefässe: Zusammenarbeit statt Einzelbetrachtung

Weshalb kommt im Gespräch auch die Mundgesundheit zur Sprache?

Eine unbehandelte Parodontitis kann eine dauerhafte Entzündungsquelle darstellen. Deshalb plädiert er für den oralsystemischen Blick: Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Diabetologie und Kardiologie sollten nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander. Ein Speicheltest auf aktivierte Matrix Metalloproteinase 8 könne Hinweise auf entzündliche Prozesse im Zahnhalteapparat geben.

Gleichzeitig mahnt Prof. Rössler zur Differenzierung. Das orale Mikrobiom sei nicht automatisch die alleinige Ursache einer Erkrankung. Eine Zahnsanierung heile keinen Diabetes und ersetzt keine umfassende Behandlung. Sie kann aber helfen, eine mögliche Belastung im Gesamtsystem zu erkennen und zu vermindern.

Prof. Ralf Rössler spricht mit erhobener Hand in der Gesprächsrunde
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Die Runde diskutiert auch kritisch über stark desinfizierende Mundspüllösungen. Die zugrunde liegende Überlegung lautet: Natur ist nicht steril. Im Mittelpunkt sollte eine stabile Mundflora stehen, nicht die Vorstellung einer vollständig keimfreien Mundhöhle.

Welche praktischen Ansatzpunkte nennen die Experten?

Es geht nicht um eine pauschale Empfehlung für ein Präparat oder um das eigenmächtige Absetzen ärztlich verordneter Medikamente. Vielmehr geht es um eine sorgfältige, personalisierte Begleitung. Die Runde nennt mehrere Bereiche, die mit einem behandelnden Arzt besprochen werden können:

  • eine Ernährung mit weniger Zucker und stark verarbeiteten Kohlenhydraten
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Unterstützung der Mikrozirkulation
  • Gewichtsreduktion, wenn Übergewicht eine Rolle spielt
  • Bewegung und individuell passende Formen des Stressabbaus
  • eine zahnärztliche Abklärung bei Verdacht auf Entzündungen im Mundraum
  • eine Überprüfung von Entzündungs-, Stoffwechsel- und Durchblutungsfaktoren

Im Gespräch werden Omega 3 Fettsäuren, Magnesium, Coenzym Q10, Vitamin D und weitere Substanzen als Themen mit teils vorhandener Datenlage angesprochen. Daraus folgt jedoch keine allgemeingültige Selbstbehandlung. Entscheidend bleibt die Frage, ob eine Massnahme für den einzelnen Menschen sinnvoll ist und ob ihr Effekt überprüft wird.

Personalisierte Medizin braucht gute Fragen

Was kritisiert die Gesprächsrunde an einer rein schematischen Behandlung?

Leitlinien können Orientierung geben, doch sie beantworten nicht automatisch die Frage, welche Behandlung für den individuellen Menschen die richtige ist. Besonders bei mehreren Erkrankungen können sich Medikamente, Stoffwechsel, Gewicht und Lebensqualität gegenseitig beeinflussen. Die Experten warnen vor einer Kette von Verordnungen, bei der immer neue Mittel hinzukommen, ohne die Ausgangslage erneut grundsätzlich zu prüfen.

Ihr gemeinsamer Wunsch ist eine Medizin, die wissenschaftliche Erkenntnisse, klinische Erfahrung und die persönliche Situation des Menschen zusammenbringt. Das bedeutet nicht, Evidenz gegen Erfahrung auszuspielen. Es bedeutet, den Menschen hinter dem Wert ernst zu nehmen und mögliche Ursachen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Wer noch tiefer einsteigen möchte: Das komplette Interview finden Sie in voller Länge auf wikiSana.

Häufige Fragen zu Bluthochdruck

Kann Bluthochdruck ohne Beschwerden bestehen?

Ja. Genau deshalb sollte erhöhter Blutdruck ernst genommen und regelmässig kontrolliert werden. Beschwerden sind kein verlässlicher Massstab dafür, ob eine Belastung vorliegt.

Welche Faktoren betrachten die Experten neben dem Blutdruckwert?

Im Gespräch werden unter anderem Stress, stille Entzündungen, Darmmikrobiom, Stoffwechsel, Übergewicht, Durchblutung und Mundgesundheit als mögliche Zusammenhänge thematisiert.

Sollten Blutdruckmedikamente bei einem ganzheitlichen Ansatz abgesetzt werden?

Nein. Änderungen einer verordneten Therapie gehören immer in ärztliche Begleitung. Der ganzheitliche Ansatz ergänzt die Suche nach individuellen Einflussfaktoren, ersetzt aber keine medizinische Abklärung.

Fazit: Nicht nur den Wert sehen, sondern den Menschen

Bluthochdruck ist kein Thema für Selbstdiagnosen und keine Einladung, verordnete Therapie eigenmächtig zu verändern. Er ist jedoch ein guter Anlass, genauer hinzusehen. Wie sind die Messwerte? Wie hoch ist die Belastung im Alltag? Wie steht es um Ernährung, Gewicht, Schlaf, Stress, Stoffwechsel und Mundgesundheit? Könnte hier der eigentliche Ursprung liegen?

Ein konkreter erster Schritt für heute kann erstaunlich einfach sein: Messen Sie Ihren Blutdruck regelmässig und unter vergleichbaren Bedingungen, notieren Sie die Werte und besprechen Sie auffällige Ergebnisse ärztlich. Ergänzen Sie diese Zahlen um eine ehrliche Beobachtung Ihres Alltags. Wo fehlt dem Körper Erholung, Bewegung, gutes Essen oder Aufmerksamkeit?

Gerade bei Fragen nach möglichen Ursachen hinter einem Symptom kann die KI gestützte Suche von wikiSana ein hilfreicher Wegweiser sein. Sie bündelt Inhalte aus zahlreichen Expertengesprächen und erleichtert die Recherche nach Zusammenhängen. Einen umfassenden Einstieg in Gesundheitsthemen bietet auch der QS24 Gesundheitskompass auf wikiSana.

Für regelmässige Einordnungen medizinischer und komplementärmedizinischer Themen bietet sich zudem der wikiSana Newsletter an. Welchen nächsten Schritt möchten Sie für Ihre Gesundheit gehen?

Gesundheit beginnt mit Wissen und Wissen beginnt mit den richtigen Fragen. Wir von wikiSana laden Sie ein, diesen Weg mit uns weiterzugehen.

Herzlich, Ihr wikiSana Team

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